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das persönliche Wort
| Was kann die Kirche vom Verein der DFB lernen? |
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Mitte August durfte ich die Wiedereröffnung der Dampfbahn Furka-Bergstrecke (DFB) miter-leben. Ich gestehe, dass mich das nach über 20 Jahren nun vollendete Werk tief beeindruckte. Immer wieder ertappte ich mich bei der Frage: Was kann die Kirche, die christliche Gemeinde, vom Verein der DFB eigentlich lernen? Dabei sind mir drei Dinge klar geworden:
1. Es braucht eine Vision, die über das Heute und über das Wahrscheinliche hinausgeht.
Am Anfang stand eine klare Vorstellung und eine vitale Überzeugung von etwas, was noch nicht sichtbar ist, aber Realität werden soll: Die Dampfbahn von Oberwald nach Realp, die die Furka auf der Höhe von 2160 m überwindet.
Wer diese Vision teilte, gehörte zu einer Minderheit, die von vielen belächelt oder gar für völlig verrückt erklärt wurde – so nach dem Motto: „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“ Doch jedes Mitglied im Verein lebte mit Begeisterung auf jenen Tag zu, wo das Geglaubte endlich Realität werden würde. Dieses lang ersehnte Ziel wurde jetzt erreicht. Die Vision im Herzen ist gegenständliche Wirklichkeit geworden. Das kann nun jeder sehen.
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Christen äussern diese Vision ja immer wieder im Vaterunser. Aber die Frage ist: Wissen und wollen wir noch, was wir da sagen? Wollen wir, dass der lebendige Gott mit uns und unserer Welt zu seinem Ziel kommt? Bewegt und beflügelt uns das? Oder haben wir die Aussicht auf Gottes Herrschaft heimlich schon abgeschrieben, aufgegeben, – nur weil es Leute gibt, die das selbst nicht mehr glauben und nur noch altmodisch finden?
Ich fürchte, die gegenwärtige Christenheit hat die ursprüngliche Vision stillgelegt, vergessen, zu den Akten gelegt. Die Perspektive nach vorne scheint weithin erloschen.
Fest steht: Wer im biblischen Sinne glaubt, besitzt eine Vision, die über das Heute und über das Wahrscheinliche weit hinausgeht.
2. Wo die Vision Kopf und Herz erfüllt, da wird sie zu einem Projekt, von dem man mit Freude erzählt und wofür man gerne und mit Leidenschaft arbeitet.
Die bewundernswerte Ernsthaftigkeit der Mitglieder des Vereins der Furka-Bergstrecke konnte nicht unbemerkt bleiben. Wovon das Herz voll war, davon konnte der Mund ja nicht schweigen. Man konnte mit den Mitgliedern des Vereins nicht zusammentreffen, ohne sehr rasch mitzubekommen, an welchem Projekt sie persönlich beteiligt waren. Wer dazugehörte und an die Realität der instandgestellten Dampfbahn-strecke glaubte, der redete auch davon, der bekannte sich stolz zu dem anspruchsvollen Vorhaben.
Aber natürlich blieb es nicht beim Reden, Erzählen und Schwärmen. Wer wirklich von dem Vorhaben erfüllt war, bei wem das Bekenntnis zur Furka-Dampfbahn nicht nur gedankenlose Gefälligkeits-Zustimmung und Schönwetter-Rhetorik blieb, den erkannte man am persönlichen Einsatz, – also dort, wo es praktisch wurde. Freiwillig mit anpacken: das war das Markenzeichen derer, die nicht nur schöne Träume hatten, sondern die wollten, dass die Erfüllung der Zielsetzung unaufhaltsam voranging.
Und so wurden hunderttausende freiwilliger Arbeitsstunden über viele Jahre hinweg geleistet. Das war der dauernd aktuelle Beweis für die Lebendigkeit der Hoffnung. „Wir erreichen Oberwald!“ So lautete das Motto. „Wir schliessen die Lücken!“ Dies wurde Wochen-ende um Wochenende, Monat für Monat und Jahr um Jahr realer, weil jeder für die Überzeugung das ihm Mögliche an Intelligenz, Zeit, Kraft und Geld investierte.
Wir Christen können von solchem Eifer und tatkräftigen Einsatz nur lernen. Der Glaube an das Reich Gottes ist weder eine philosophisch-abstrakte noch eine religiös-sentimentale Sache. Wer Gott und sein Wort ernst nimmt, der wird erkennbar an seinem Reden und Handeln.
Es gilt: Sage mir, wofür du lebst, und ich sage dir, woran du glaubst! Wer an Jesus glaubt und mit ihm lebt, der kann nicht nur sein stiller, heimlicher Verehrer sein. Dietrich Bonhoeffer, der unter der Nazi-Diktatur für sein unerschrockenes Zeugnis von der Herrschaft Gottes hingerichtet wurde, schrieb in der Todeszelle den Satz: „Christus will keine Bewunderer, sondern Nachfolger und Zeugen.“
Sich als Zeuge, Botschafter und Mitarbeiter einsetzen: Das braucht gelegentlich auch Mut, eine klare Entschiedenheit. Teresa von Avila, eine der grossen Frauen der Christenheit, sagte gern: „Gott liebt heilige Entschlossenheit.“
3. Der Einsatz für grosse Überzeugungen geht nicht ohne Verbündete.
Leben für das grosse Ziel braucht Gemeinschaft, gegenseitige Ermutigung und Ergänzung. Allein fehlt die ausdauernde Kraft und der lange Atem. Man hört dann früher oder später auf, weil man müde geworden ist und sich die Motivation verbraucht hat.
Der Verein der Furka-Dampfbahn aber blieb eine fröhliche Erzähl-Gemeinschaft, eine intelligente Innovations-Gemeinschaft, eine entschlossene Arbeits-Gemeinschaft, und eine starke Kampf-Gemeinschaft.
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Weil man gemeinsam dasselbe erreichen wollte, konnte man miteinander anstatt gegeneinander arbeiten. Niemand musste sich auf Kosten anderer profilieren, weil alle wussten: Jeder wird gebraucht. Das war eine tolle Erfahrung! Die Furka-Dampfbahn-Gemeinde wuchs mit den Jahren auf über 7000 Mitglieder und entwickelte sich zu einer bunten, sehr vielfältigen und internationalen Truppe, zu einer Gemeinschaft wirklich Gleichgesinnter und Gleichverpflichteter.
Die christliche Gemeinde könnte davon eine Menge lernen. Kirche erscheint heute vielen als eine träge, unproduktive Institution. Glaube und Christsein wird von vielen privatisiert und vom praktischen Leben isoliert. Klar, dass ein solcher Glaube nichts Grosses mehr bewirkt, sondern rasch erlahmt, blutleer und bedeutungslos wird.
Lebendiges Christsein braucht Gemeinschaft mit Gleichgesinnten: die gegenseitige Ergänzung, Ermutigung und Herausforderung. Die christliche Gemeinde darf nicht nur eine nette Wohlfühlgemeinschaft sein. Wo die Zielsetzung des Reiches Gottes vor Augen steht, da wird Christsein zur Arbeitsgemeinschaft, wo jeder seine Gaben und Fähigkeiten im Dienst an der grossen Sache mit einbringt.
In meiner Jugend haben wir oft das Lied gesungen: „Herr, deines Reiches Herrlichkeit ist unsres Lebens Ziel. Hier steh’n wir, dir zum Dienst bereit, von nah und fern in Einigkeit, wie uns das Los auch fiel.“
Das gemeinsame Ziel hilft, dass niemand auf der Strecke bleibt, dass noch mehr Menschen unter die rettende Herrschaft Gottes kommen und – durch alle Tiefen und Höhen des Lebens – zu Teilhabern am Siegeszug des auferstandenen Christus werden.
Es gilt, heute ganz neu dafür zu leben, dass unser Glaube nicht lahm und langweilig wird. Es gibt heute zu viele Menschen, die noch gar nicht zu hoffen wagen, dass aus der Begegnung mit Christus frischer Wind in ihr Leben kommen kann.
Lasst uns Christus nicht unterschätzen, der seine Gegenwart denen verheissen hat, die Ihm vertrauen! Seine Möglichkeiten gehen weit über unseren Horizont hinaus! Mit ihm, unter der Führung seines Geistes, wird unser Leben zu einem spannenden, risikovollen Abenteuer, von dem befreiende Impulse der Hoffnung für andere ausgehen.
Es ist nicht bloss ein Traum – es passiert schon da und dort! Andere sollen darauf aufmerksam werden und davon profitieren dürfen. Andere sollen mit ihrem Leben vorankommen, weil Christen aus der Kraft des Glaubens und der Hoffnung dem Handeln aus Liebe fröhlich Dampf machen.
Reinhard Frische
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